Wurmkur, ja oder Nein? Alle Antworten auf die wichtigen Fragen

Wurmkur

Was sind diese Würmer und was können sie auslösen? Sind sie tödlich für Dein Pferd? Und welche Wurmkur ist die Beste? Muss die Wurmkur überhaupt sein und wie oft? Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Wurmkur.

WURM_WEB

Die vorbeugende Wurmkur ist umstritten. Soviel schon mal vorweg. Es gibt Fans und Anhänger*, es gibt aber auch Länder in denen sie als vorbeugende Maßnahme nicht erlaubt ist. Das hat Gründe. Ich werde sie Dir gleich erläutern. Aber erstmal erkläre ich Dir, was für Würmer es gibt und wie sie Deinem Pferd schaden können.

Was ist ein Wurm?

Die Würmer haben meist einen kleinen Weg vor sich, bevor sie als ganzer Wurm im Pferd unterwegs sind. Sie sind erst einmal in Ei-Form vorhanden, dann werden sie zu einer Larve und dann erst zum Wurm. Die Larven fressen sich gerne durch die Darmwand durch. Das wiederum ist es, was Deinem Pferd wirklich schaden kann. Denn der Darm ist mit eines der wichtigsten Organe Deines Pferdes. Er nimmt die Nährstoffe auf, er sorgt für ein gutes Immunsystem und dafür dass der Magentrakt gut funktionieren kann.

Spulwurm (Foto: Wikipedia, gemeinfrei)

Die großen Palisadenwürmer zum Beispiel gehen sogar bis in die Arterien und nagen die Blutgefäße an. Das kann zu schweren Koliken führen. Andere Larven wandern gerne durch die Lunge oder die Leber. Die Bandwürmer dagegen können spastische Koliken auslösen oder Verstopfungskoliken. Gegen sie wird vor allem mit den vorbeugenden Wurmkuren vorgegangen.

Wurmkur, ja oder nein?

Wurmkur – ja: Würmer können tödlich für Dein Pferd enden. Keiner will sie haben. Deswegen kann es durchaus sinnvoll sein vorbeugende Wurmkuren zu verabreichen. Du verhinderst vermutlich, dass Dein Pferd ein Problem mit den Würmern bekommt. Vermutlich.

Es gibt übrigens auch Kräuterbasierte biologische Wurmkuren*

Wurmkur – nein: Aber eine Wurmkur* ist ein chemisches Gift, sie soll die Würmer im Magen und Darmtrakt Deines Pferdes abtöten. Da sie die Würmer killt, ist sie natürlich nicht ohne für Dein Pferd. Soviel ist logisch. Sie belasten die natürliche Darmflora Deines Pferdes und sie belasten den Boden, weil Dein Pferd natürlich auch beim Äpfeln Wurmkurreste mit ausscheidet. Da das Immunsystem Deines Pferdes auch unter der Wurmkur leiden kann, gehen die Gegner sogar davon aus, dass es die Würmer danach noch leichter haben sich auszubreiten. Tests der Uni München haben ergeben, dass zwar Spulwürmer durch die Wurmkur getötet und ausgeschieden werden, aber nicht alle. So hatten die Testpferde keine zwei Wochen nach der Wurmkur wieder Würmer in ihren Pferdeäpfeln.

Gibt es auch biologische Wurmkuren?

Es gibt sogar Kräuter, die wurmabweisend wirken sollen. Labkraut, Wermut, Minze, Thymian, Kürbiskerne, Brennessel, Knoblauch und Papayablätter. Wirksame Forschung gibt es dazu aber noch nicht. Die Bienen sind auch ganz schlaue Parasitenbekämpfer. Sie verschließen ihre Bienenhäuser mit Propolis. Das soll Parasiten, Pilze und auch Würmer abhalten*

Ist selektive Entwurmung DIE Lösung?

Vorteil der selektiven Entwurmung und der Wurmkuren ist, dass Du den Organismus Deines Pferdes nicht unnötig belastest und die Würmer nicht so schnell resistent gegen die ganzen Mittel werden. Es gibt immer mehr Tierärzte, die zu einer regelmäßigen Kotuntersuchung raten, statt der vorbeugenden Entwurmung. Um so dem Pferdeorganismus die Wurmkur zu ersparen, aber gleichzeitig die Würmer im Blick zu behalten. Das nennt sich selektive Entwurmung. Also statt viermal im Jahr vorbeugend zu entwurmen, wird nur bei Bedarf entwurmt.

Nachteil ist, dass Du so natürlich auch manchmal zu spät kommen kannst. Dein Pferd bekommt vielleicht Würmer zwischen den Kotuntersuchungen. Es ist im Grunde wie mit den Impfungen. Es ist ein Risikospiel, das in beide Richtungen ausschlagen kann. Und es liegt an Dir und Deinem Pferd, ob ihr euch dafür oder dagegen entscheidet

So verabreichst Du die Wurmkur

Kommen wir mal zu der Alltagspraxis. Du hast Dich für die Wurmkur entschieden. Die meisten Pferde lassen sich ohne Probleme entwurmen. Du musst nur darauf achten, dass das Pferd die Paste auch wirklich schluckt.

wurmkur 2

So entwurmst Du richtig!

Wenn Du Dich für die chemische Variante entschieden hast, musst Du Deinem Pferd erst die Wurmkur geben und dann den Stall gründlich innerhalb der nächsten Tage reinigen. Diese Kuren wirken etwa zwei Tage. Solange wird den Würmern der Garaus gemacht. Danach wäre Dein Pferd wieder anfällig. Also musst Du deswegen den Stall intensiv reinigen, damit neue Würmer keine Chance haben aus den Eiern zu schlüpfen, die Dein Pferd ausscheidet. Und Du solltest das genau Gewicht Deines Pferdes kennen, damit Du nicht über- oder unterdosierst*

Wie oft muss ich entwurmen?

So eine Entwurmung sollte übrigens in der ganzen Stallgemeinschaft durchgeführt werden. Sonst nützt es nichts. Da die Würmer von Pferd zu Pferd wandern können.

Stallgemeinschaft

Wenn alle mitmachen, sollte die Wurmkur ca. viermal pro Jahr durchgeführt werden. Je nach Körpergewicht Deines Pferdes gibt’s Du mehr oder weniger der Wurmkur.

Wie erkenne ich, ob mein Pferd Würmer hat?

Würmer sind eigentlich immer da. Wichtig ist nur, dass sie nicht Oberhand gewinnen. Das erreichst Du dadurch, dass Dein Pferd gesund ist und ein gutes Immunsystem hat. Und durch Wurmkuren.

Fragen die Du Dir stellen kannst, um herauszufinden ob Dein Pferd Würmer hat:
  1. Ist Dein Pferd immer schwächer?
  2. Hat es weniger Kondition als früher?
  3. Ist es ein schlechter Futterverwerter?
  4. Hat es immer wieder Erkrankungen?

Wenn Du das alles mit JA beantworten kannst, solltest Du dringend den Tierarzt rufen und eine Kotuntersuchung machen lassen. So kann er die Würmer feststellen und gemeinsam mit Dir eine Therapie für Dein Pferd planen.

5 Comments
  1. natalie 3 Jahren ago

    Leider fehlt ein entscheidender Nachteil der selektiven Entwurmung:
    larvalen Cyathostominose (auch: Cyathostomose)- das heißt Larvenstadien in der Darmwand- kann durch Kotproben nicht nachgewiesen werden!

    • Author
      Petra 3 Jahren ago

      Spannend, danke für den Hinweis und deine Ergänzung! Werde ich recherchieren, Liebe Grüße, Petra

    • Rhiannon 2 Jahren ago

      Was ist mit großen Blutbildern, können die das nachweisen?

      • Author
        Petra 2 Jahren ago

        Das weiß ich leider nicht – vielleicht kann dir Natalie da weiterhelfen – da sie auch das Thema aufgebracht hat? Liebe Grüße, Petra

  2. Dr Anne Becher 2 Jahren ago

    Liebe Natalie,

    lieder sind die Dinge nicht so einfach: Ziel der Selelektiven Entwurmung ist es, die Kontamination der Weiden mit Wurmeiern zu reduzieren. Damit wird die Larvale Cyathosominose von vorneherein verhindert. Diese hat zur Voraussetzung, dass große Mengen an Larven von kleinen Strongyliden aufgenommen werden. Ein zusätzlicher Auslöser ist teilweise auch die Entwurmung mit Ivermectin. In diesen Fällen kommt die Wurmkur also eindeutig zu spät. Allerdings ist Deine Aussage in abgeändertert Form richtig: Eine EINZELNE Kotprobe kann die Larvale Cyathosominose nicht nachweisen, da diese von Wurmlarven verursacht wird und diese noch keine Eier ausscheiden. Die Untersuchung einer einzelnen Kotprobe ist aber nicht mit der Selektiven Entwurmung zu vergleichen, da hier eine Aussage zu möglichen Infektionen in der Vergangenheit gesucht wird. Bei der Selektiven Entwurmung werden sehr viel mehr Kotproben untersucht und völlig anders interpretiert.

    Viele Grüße
    Anne

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

©Pferdebiester.de

Log in with your credentials

Forgot your details?